Dienstag, 20. Oktober 2009

Morgens halb 10 in Wien...

Der Ort: Straßenbahn, Linie D
Die Zeit: morgens halb 10 in Wien.
Die Hauptpersonen: eine Dame mit einem kleinen Kläffer, ein höflicher Mann Mitte 50, ein nicht so höflicher Bauarbeiter und der „Chauffeur".

Die Dame steigt mit ihrem Hund ein. Der Chauffeur bleibt mit der Straßenbahn ohne ersichtlichen Grund fünf Minuten in der Station stehen. Ruhe. Verwunderung.

Der Höfliche: Jetzt tuan’s dem Hund an Maulkorb aufe…Der fohrt sunst nit weida!

Dame: Ach deshalb. Aber ich fahre eh nur eine Station.

Der Höfliche: Jo, oba Vurschrift is Vurschrift.

Dame: Also das ist doch…nein…

Der Höfliche: Herns, i hob a an Hund. Jo, des is für den vielleicht nit ongenehm, aber es muass holt sein.

Dame: Wegen einer Station? Lächerlich ist das!

Der Höfliche: Jo, oba es konn imma wos passiern.

Dame: Mein Hund, der hat noch nie jemandem was getan. Frechheit!

Der Höfliche: Bitte! Jetzt tuan’s holt endlich!

(Die Dame dreht sich um, sucht in ihrer Tasche nach dem Beisskorb und beschwert sich lautstark bei einigen jungen Frauen. Die können ihr Gelächter über das hochrote Gesicht und den unaufhörlichen und doch so sinnlosen Ärger der Dame nicht mehr zurückhalten. Die verpasst ihrem Hund nach fünf Minuten endlich den Maulkorb. Der Chauffeur fährt los. Die Dame ärgert sich weiter und lässt es sich beim Aussteigen nicht nehmen, dem Chauffeur ihre Meinung zu geigen.)

Dame: Also das muss ich mir nicht gefallen lassen.

Chauffeur (rollt mit den Augen, bleibt aber gelassen. Noch.): Bitte steigen’s aus jetzt!

Dame (ihre Stimme überschlägt sich): Also so etwas Blödes wie Sie habe ich noch nie gesehen. Und blöd…Ich werde mich beschwerden. Die Straßenbahnnummer merke ich mir. Sie können sich auf was gefasst machen.

(Der Bauarbeiter mischt sich ein)

Bauarbeiter: Herns, jetzt steigen’s endlich aus Sie olte Gurkn: Hob eh ka Zeit!

(Entsetzt steigt die Dame aus, gestikuliert aber noch heftig…der Chauffeur schließt die Türen)

Bauarbeiter zum Chauffeur: Fohr holt drüba üba die blede Geifen. Donn is a Ruah!

Chauffeur (wild mit den Armen fuchtelnd): Nit üban Hund. Der konn jo eh nix dafia. Über sie sollt i drübafohrn. Üba die Deppate!

Alle leben noch. Bei diesem Ereignis kam kein Tier zu Schaden. Und auch kein Mensch...

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