„Ach eigentlich eh alles. Was halt g’rad so in den Charts ist.“ Das, meine Damen und Herren, ist die mit Abstand beschissenste Antwort, die man auf die Frage, welche Musik man hört, geben kann. Ich meine, ernsthaft jetzt: Wieso sagt man sowas? Wie kann es sein, dass Musik jemandem so dermaßen am unrhythmischen Arsch vorbei geht?
Liegt es vielleicht an einer schweren Kindheit? Wurde einem als 5-Jähriger Tausend-Watt-Boxen um die Ohren geschnallt? Wurde man von irgendeinem Schlager-Arschloch unsittlich berührt? Steckt dahinter vielleicht eine verkappte Sängerin, die sich in den Achtzigern im Drogenrausch vor jedem dahergelaufenen Promi-Kokain-Dealer sofort entblößt hat, um ihre Pseudo-Karriere zu fördern, natürlich, aufgrund fehlenden Talents, elendig versagt und dann mit allen unmoralischen Mitteln versucht hat, ihr Kind zum Star zu trimmen? Liegt es an der konservativen Klavier-Lehrerin, die, sobald man eine falsche Taste nur anvisiert hat, ihren Stock aus dem Arsch gezogen hat, um ihn dann wutentbrannt auf die Finger schnalzen zu lassen? Wurden alle unmusikalischen Menschen auf irgendeine Art und Weise missbraucht? Das kann es doch nicht sein, oder?
„Über Musik zu sprechen ist wie über Architektur zu tanzen.“ Steve Martin
Ja, es ist ein schwieriges Thema. Menschen fühlen sich immer sehr schnell angegriffen, wenn man irgendetwas vermeintlich Falsches sagt. Mir ist das jetzt ausnahmsweise einmal herzlich egal. Es ist Zeit für philosophischen Scheiss!
Der Musikgeschmack zeigt, wer man ist. Vielleicht ist es so, dass ich das alles zu wichtig nehme, zu viel hineininterpretiere. Mag schon sein. Ich denke aber, Musik offenbart wildfremden Menschen deine Lebenseinstellung und wie du die Welt siehst. Ist wahrscheinlich kein revolutionärer Gedanke, aber es ist etwas Wahres dran.
„Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.” Victor Hugo, frz. Dichter d. Romantik
Versteh’ mich nicht falsch! Ich will da nichts verallgemeinern. Aber wie würdest du zum Beispiel Volksmusik- und Schlager-Fans charakterisieren? Heimatbezogen vielleicht. Konservativ. Seien wir uns ehrlich: weltfremd und xenophob. Klassik-Anhänger wirken sehr kultiviert, geradezu großkotzig. Bei ihnen hat man oft das Gefühl, dass ihre Welt alles andere als heil ist. Indie-Leute sind ja ach so politisch interessiert. Und so weiter. In der Musik spiegelt sich der Charakter.
Klar, es gibt auch Schlager-Fans, die ihr Haus gerne in ein Asyl-Erstaufnahme-Zentrum umfunktionieren würden und es gibt Alternative, denen Politik so egal ist, wie die neuesten Skandale von Lindsay Lohan. Das sind nur Klischees. Ein Haufen Vorurteile. Eigentlich diskriminierend. Mir ist schon klar, dass viele Ausnahmen die Regel bestätigen. Es gibt ja auch viel dazwischen, keine Frage. Aber wer mich kennt, weiß ja eh, dass ich kein verallgemeinender Misanthrop bin. Also, nachdem wir das so wunderbar geklärt hätten, mach ich jetzt weiter.
„Musika ist eine halbe Disziplin und Zuchtmeisterin, so die Leute gelinder und sanftmütiger, sittsamer und vernünftiger macht.” Martin Luther
Egal, zu welcher Musikrichtung man tendiert, in Wahrheit ist doch alles besser, als dem Trend zu folgen. Das bedeutet ja eigentlich nichts anderes, als dass man keinen eigenen Geschmack hat. Und das lässt auch schon wieder Schlüsse auf die Persönlichkeit zu, die in dem Fall quasi kaum vorhanden ist. Ich glaube nämlich, dass jemand, der alles hört, was gerade der letzte Schrei ist, keine Ahnung hat, wer er eigentlich ist. Nur so kann ich mir das erklären. Das mag ja bei einem 15-jährigen Disco-Teenie völlig bedeutungslos sein. Eigentlich ist es komplett egal, objektiv betrachtet. Mir sowieso. Es geht ja niemanden was an, welche Musik ich höre und ob ich mich selbst kenne. Sollen doch überhaupt alle tun, was sie wollen. Dafür bin ich sowieso. Jeder Mensch sollte, solange er damit keine Straftaten begeht, tun können, was er will. Warum das nicht funktioniert, werde ich auch nie kapieren. Warum kann jemand zum Beispiel nicht ganz ohne Probleme überall auf der Welt wohnen und arbeiten? Ach, ich schweif ab. Also zurück! Es geht ja eigentlich darum, dass man überhaupt Musik hört. Also so ganz bewusst, mein ich.
„Das größte Verbrechen eines Musikers ist es, Noten zu spielen, statt Musik zu machen.” Isaac Stern (*1920), amerik. Violinist russ. Herk.
Es gibt da noch ein musikalisches Phänomen. Viele Menschen, kommt mir zumindest vor, hören in ihrer Jugend, sagen wir einmal, Rock. Du kennst bestimmt jemanden, der früher die Stones oder die Beatles gehört hat. Und dann werden sie älter, gründen eine Familie, reissen sich den Arsch auf und vergessen irgendwann die Musik. Einfach wegrationalisiert. Und dann geben sie auf die Frage, was sie gerne hören, im besten Fall die beschissenste Antwort, die man geben kann. Denn das würde zumindest bedeuten, dass sie sich noch irgendwie für Musik interessieren.
Im schlechtesten Fall hat die Verantwortung, die im Laufe ihres Lebens immer größer wurde, dazu geführt, dass sie konservativ geworden sind. Vielleicht wurden sie sogar gekündigt und ein Ausländer hat jetzt ihren Job. Und was hast du gerade gelernt? Solche Menschen hören eher Volksmusik und Schlager als Punk. Richtig. Die Musik, die ihnen eine heile und sorglose Welt vorgaukelt. Ihre Persönlichkeit, ihre Lebenseinstellung, ihre Sicht auf die Welt. Alles hat sich verändert. Die fetten Jahre haben begonnen. Und das ist eine Wandlung, die ich noch weniger nachvollziehen kann, als die Alles-was-in-den-Charts-ist-Scheisse. Die Frage ist nur, ob irgendwo, ganz tief in solchen Menschen, ein Rocker nur gerade seinen Rausch ausschläft.
Die Lebenseinstellung verändert den Musikgeschmack und umgekehrt.
Das ganze mag jetzt für das ein oder andere Ohr etwas zu hart klingen, zu oberflächlich vielleicht, zu pseudo-philosophisch, was es ja ganz eindeutig ist. Aber verdammt noch einmal, es ist leider so. Ich will auch gar nicht wirklich irgendwas oder irgendjemanden schlecht machen. Ich versuch’ nur, das alles zu kapieren. Zu verstehen, wie jemandem Musik so egal sein kann. Mir ist sie nämlich, wie du dir vielleicht mittlerweile denken kannst, zeimlich wichtig. Musik kann Dinge verändern. Musik, das ist doch...weißt, was ich mein? Nicht? Was hörst du eigentlich gern?
„Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.”
Friedrich Nietzsche
Ich glaube auch, dass man seinen Musikgeschmack überhaupt nicht eingrenzen darf. Offen für alles zu sein, ist wahrscheinlich ein Geheimnis des Lebens. Warum sollte man als Alternativer nicht auch einen Song von Britney Spears mögen oder als Hansi-Hinterseer-Fan nicht auch Punkrock hören. Ich sag dazu nur: DISCO POGO – dengalengaleng! Was wirklich zählt, ist, dass man sich treu bleibt. Erkenne dich selbst! Amen!
Fazit: Wer Musik aus seinem Leben ausschließt, versäumt eine der besten Erfindungen der Natur. Und über Geschmack kann man nicht streiten. Darum geht's aber auch überhaupt nicht.
Und obwohl der Text jetzt so lang ist und ich versucht hab, alles ganz klar darzustellen, hat wahrscheinlich nicht jeder, der das jetzt alles durchgelesen hat, verstanden, was ich eigentlich meine. Aber es musste trotzdem einmal gesagt werden. Außerdem ist der bisher letzte Blog-Eintrag vom November! Also wirklich...
Bei der Macht von Grayskull!
„Thank you for the music the songs I'm singing
thanks for all the joy they're bringing
who can live without it I ask in all honesty what would life be
without a song or a dance what are we
so I say thank you for the music for giving it to me.“ ABBA
„Music was my first love and it will be my last
music of the future and music of the past
to live without my music would be impossible to do
in this world of troubles my music pulls me through.“ John Miles
„Musik ist die gemeinsame Sprache der Menschheit.”
Henry Wadsworth Longfellow (1807-82), amerik. Dichter
„Musik ist eine höhere Offenbarung als Weisheit und Philosophie.“ Ludwig van Beethoven
„Es schwinden jedes Kummers Falten,/ so lang des Liedes Zauber walten.”
Friedrich von Schiller
„Ich betrachte die Musik als die Wurzel aller übrigen Künste.”
Heinrich von Kleist
„Ich hatte 30 Jahre lang eine wilde Affäre mit einer Dame namens Rock 'n' Roll. Jetzt trenne ich mich von ihr.”
Billy Joel
„Ich verstehe nichts von Musik. In meinem Fach ist das nicht nötig.”
Elvis Presley
„Musik hat von allen Künsten den tiefsten Einfluß auf das Gemüt, ein Gesetzgeber sollte sie deshalb am meisten unterstützen.”
Napoleon I.
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